Absinth: eine französisch-schweizerische Geschichte

Das im Schweizer Val-de-Travers im 18. Jahrhundert erfundene mythische Getränk Absinth wurde später im 19. Jahrhundert im benachbarten Pontarlier industriell hergestellt; somit bestand eine enge Verbindung zwischen dem Schicksal der Hauptstadt des Haut-Doubs und dem des idyllischen Tals in der Schweiz.

 

Wermutkraut ist ein Beifußgewächs (in der Fachsprache Artemisia genannt), das in ganz Europa verbreitet ist. Es ist eine mehrjährige, ausdauernde Pflanze mit einem kräftigen, aromatischen Geruch, die bis zu 2.000 m hoch wächst. Es ist jedoch belegt, dass der im französisch-schweizerischen Jura wachsende Wermut im Vergleich zu dem aus anderen Regionen einen unvergleichlich aromatischen Duft besitzt. Seine Heilwirkung bei Verdauungsstörungen ist seit der Antike bekannt.

Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde im Schweizer Val-de-Travers die Herstellung von Absinth durch Mazerieren von Wermut, Anis, Fenchel, Melisse und Ysop und Destillieren erfunden. Da die Schweiz aber hohe Ausfuhrzölle erhob, beschlossen einige Schweizer Brennereien, sich in Pontarlier niederzulassen, der 837 m hoch gelegenen benachbarten Hauptstadt des Haut-Doubs. Die Anfänge waren nicht einfach und der Absinth-Konsum kam erst ab 1830 so richtig in Gang, was allerdings vor allem den kolonialen französischen Streitkräften zu verdanken war, die Absinth zur Reinigung ihres Wassers nutzten. Nach ihrer siegreichen Rückkehr nach Frankreich behielten sie ihre Gewohnheit bei und ließen sich in den Pariser Cafés und den Bistros der Garnisionsstädte Absinth servieren. Und die Bevölkerung, die ihre erfolgreichen Helden bewunderte, ahmte diese Gewohnheit nach.