Von den Pariser Brasserien in den Untergrund

Absinth hatte sich mittlerweile zu dem Aperitif-Getränk schlechthin entwickelt. Er erlebte eine absolute Hochkonjunktur um das Jahr 1900 herum, als es in Pontarlier 25 Brennereien, 111 Bistros, Cafés und Stehkneipen gab, und 15 Millionen Liter Absinth, davon allein 7 Millionen Liter von der Brennerei Pernod, hergestellt wurden.

Die „Grüne Stunde“ war vor allem auch bei Künstlern und Literaten beliebt wie z. B. bei Rimbaud, Verlaine, Toulouse Lautrec, Van Gogh, Jarry sowie bei vielen anderen, die sich bei einem Glas Absinth neue Inspiration für ihre Werke erhofften. Es war die Blütezeit der Kabaretts, des Moulin Rouge, Chat Noir, von Mirliton d’Aristide Bruand, das Goldene Zeitalter des französischen Cancan, von La Goulue, Jane Avril, Yvette Guilbert, Lucien Guitry... eine glanzvolle Epoche!

Mit dem zunehmend exzessiven Absinth-Konsum, „Absinthismus“ genannt, dem organisierten Kampf der Absinth-Gegner, der Lobby der Winzer, der Wissenschaftler und Politiker und der Zäsur des Ersten Weltkrieges wurde dem Absinth jedoch schließlich ein jähes Ende bereitet. Am 17. März 1915 wurde im französischen Parlament einstimmig das Gesetz zum Verbot der Herstellung und des Konsums von Absinth beschlossen. Nur einige Jahre, nachdem sich am 7. Oktober 1910 das Schweizer Volk bereits für ein Verbot des Absinths ausgesprochen hatte.